DatenCHECK 11/2026

Sprachanforderungen in Jobprofilen für Hochschulabsolvent*innen

Dr. Nicolas Reum

Der DatenCHECK zeigt, welche Bedeutung Deutsch, Englisch und weitere Fremdsprachen für Hochschulabsolvent*innen auf dem deutschen Arbeitsmarkt haben. Ziel ist es, regionale, fachliche und berufsspezifische Unterschiede sichtbar zu machen und somit Hochschulen und Studierenden entsprechende Informationen bereitzustellen. Grundlage sind rund 1,7 Millionen Online-Stellenanzeigen aus dem Jobmonitor der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahr 2025, die ausdrücklich einen Hochschulabschluss voraussetzen. Analysiert wird dabei, wie häufig bestimmte Sprachen in Stellenanzeigen anteilig genannt werden. Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede nach Region, Studienbereich und Berufsgruppe. Besonders für Deutsch und Englisch treten klare räumliche Muster hervor. Die Befunde geben Hinweise darauf, in welchen Bereichen Sprachkenntnisse für den Berufseinstieg besonders relevant sind.

Wie wichtig sind Fremdsprachen für Akademiker*innen auf dem Arbeitsmarkt? Helfen zunehmend englischsprachige Lehrveranstaltungen bei der Jobsuche? Und sollten internationale Studierende Deutsch lernen? Diesen Fragen geht der vorliegende DatenCHECK nach. Er bietet einen breit angelegten Überblick über die Sprachanforderungen, die Arbeitgeber in Stellenanzeigen an Hochschulabsolvent*innen stellen.

Allein für das Jahr 2025 wurden dafür knapp 1,7 Millionen Stellenanzeigen analysiert, die ausdrücklich einen Hochschulabschluss voraussetzen. Die Daten stammen aus dem Jobmonitor der Bertelsmann Stiftung. Dort werden fortlaufend Online-Stellenanzeigen deutscher Jobportale erfasst. Dadurch sind empirisch fundierte Analysen des deutschen Arbeitsmarkts möglich.

Der DatenCHECK richtet sich insbesondere an Hochschulen und Studierende. Er ermöglicht vertiefte Auswertungen nach Regionen, Studienbereichen und Berufen. Die kleinteiligen und individuell kombinierbaren Analysen zeigen, welche Bedeutung Sprachkenntnisse in Stellenanzeigen haben, die sich ausdrücklich an Absolvent*innen richten. Hochschulen erhalten damit Anhaltspunkte dafür, ob ihr Sprachangebot die Anforderungen des Arbeitsmarkts ausreichend berücksichtigt und wo sich die Arbeitsmarktpassung verbessern ließe. Studierende können erkennen, in welchen Studienfächern oder angestrebten Berufen Sprachkenntnisse besonders relevant sind, und ihre Chancen auf einen Berufseinstieg in Deutschland entsprechend verbessern. Dies ist insbesondere für internationale Studierende bedeutsam, deren Potenzial für die Fachkräftesicherung in Deutschland andernfalls trotz guter Studienleistungen ungenutzt bleiben kann. Der DatenCHECK versteht sich als Ergänzung zum gleichnamigen CHECK. Vertiefende Hintergrundanalysen, eine Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse sowie Empfehlungen finden sich dort.

Das Projekt ‘Analyse von Online-Stellenanzeigen für die Hochschulentwicklung’ wurde von der Bertelsmann Stiftung im Rahmen des Projektes Jobmonitor gefördert

Datenbasis

Die hier vorgestellten Zahlen stammen aus dem von der Bertelsmann Stiftung entwickelten Projekt Jobmonitor. Seit 2019 werden dort Online-Stellenanzeigen deutscher Jobportale kontinuierlich erfasst und verschiedenen Merkmalen zugeordnet. Dazu zählen unter anderem Berufe (KldB, Klassifikation der Berufe 2010 in der überarbeiteten Fassung 2020), Abschlussniveaus (ISCED, International Standard Classification of Education 2011), Regionen (NUTS, Nomenclature des unités territoriales statistiques), Studienfächer (Fächersystematik des Statistischen Bundesamtes 2023/2024) sowie transversale Kompetenzen (ESCO, European Skills, Competences and Occupations, Version 1.1), darunter auch Sprachen. Die Daten für den Jobmonitor werden von dem Anbieter Textkernel BV erhoben.

In die vorliegende Analyse flossen ausschließlich Stellenanzeigen ein, die ausdrücklich einen Hochschulabschluss auf Bachelor-, Master- oder Promotionsniveau voraussetzen. Insgesamt umfasst die Datengrundlage rund 13 Millionen Stellenanzeigen, davon etwa 1,7 Millionen im Bezugsjahr 2025. Praktikumsstellen wurden nicht berücksichtigt. Weiterführende Informationen zur Methodik des Jobmonitors finden sich hier.

Wie bei empirischen Indikatoren üblich, sind auch bei dieser Form der Arbeitsmarktbeobachtung methodische Einschränkungen zu beachten. Der Jobmonitor bildet die Arbeitsnachfrage nicht vollständig ab: Nicht jede Stelle wird online ausgeschrieben, und nicht jede für einen Beruf erforderliche Qualifikation wird in einer Stellenanzeige ausdrücklich genannt. Dies betrifft etwa Berufe, in denen ein Hochschulabschluss ohnehin obligatorisch ist. Wird dieser nicht ausdrücklich erwähnt, kann die entsprechende Anzeige in der vorliegenden Auswertung nicht berücksichtigt werden.

Ähnliches gilt für Sprachanforderungen. In bestimmten Berufen sind Sprachkenntnisse bereits gesetzlich oder beruflich vorausgesetzt und müssen daher nicht zwingend in der Ausschreibung genannt werden. Ein Beispiel ist die ärztliche Tätigkeit, für die ausreichende Deutschkenntnisse nachgewiesen werden müssen. Solche impliziten Anforderungen werden mit der vorliegenden Methodik nicht erfasst.

Auch eine häufige Nennung bestimmter Sprachkenntnisse lässt nicht unmittelbar darauf schließen, dass deren grundsätzliche Bedeutung zugenommen hat. Sie kann ebenso darauf hindeuten, dass Arbeitgeber häufiger Anlass sehen, entsprechende Kenntnisse ausdrücklich zu benennen, etwa aufgrund von Veränderungen im Bewerber*innenpotenzial. Die ausgewiesenen Anteile bilden daher nur den explizit formulierten Teil der Sprachanforderungen ab. Daneben kann ein relevanter Anteil impliziter Anforderungen bestehen, die in Stellenanzeigen nicht genannt werden. Dennoch liefern die expliziten Nennungen wichtige Hinweise auf die Bedeutung von Sprachkenntnissen in verschiedenen Berufen und Tätigkeitsfeldern.

Nicht differenziert werden kann zudem, welches Sprachniveau verlangt wird und ob Sprachkenntnisse zwingend erforderlich oder lediglich wünschenswert sind. Konkrete Angaben wie etwa „Englischkenntnisse auf C1-Niveau“ finden sich in Stellenanzeigen häufig nicht. Für eine genauere Einordnung wären ergänzende Arbeitgeberbefragungen erforderlich, die wiederum nur stichprobenbasiert durchgeführt werden könnten.

Sprachanforderungen in Landkreisen und kreisfreien Städten

Die kartografischen Darstellungen zeigen die Anteile der Stellenanzeigen für Akademiker*innen, in denen eine bestimmte Sprache ausdrücklich genannt wird. Die regionale Bezugsebene bilden durchgehend die Landkreise und kreisfreien Städte, entsprechend der europäischen NUTS-3-Ebene. Dadurch sind vergleichsweise kleinräumige Analysen möglich.

Insgesamt wurden elf Sprachen betrachtet. Neben Deutsch, Englisch und den Sprachen der angrenzenden Staaten Dänisch, Niederländisch, Französisch, Tschechisch und Polnisch wurden auch Arabisch, Türkisch, Spanisch und Chinesisch einbezogen. Arabisch und Türkisch werden von relevanten Teilen der Bevölkerung in Deutschland gesprochen, während Spanisch eine verbreitete Sprache auch in Südamerika darstellt und Chinesisch aufgrund der wirtschaftlichen und geopolitischen Bedeutung Chinas berücksichtigt wurde.

Da sich die Anteile stark unterscheiden und bei Deutsch und Englisch deutlich höher liegen als bei den übrigen Sprachen, ist bei der Interpretation jeweils die Wertespanne in der Kartenlegende zu beachten. Eine einheitliche Klassifizierung für alle Sprachen würde die regionalen Unterschiede bei selten genannten Sprachen kaum sichtbar machen. Daher verwenden alle Karten zwar denselben Farbverlauf, die einzelnen Farbstufen stehen jedoch je nach Sprache für unterschiedliche Anteilswerte. Auf diese Weise lassen sich regionale Schwerpunkte innerhalb einer Sprache erkennen.

Bei Deutsch und Englisch zeigt sich ein leichtes Nord-Süd-, vor allem aber ein deutliches West-Ost-Gefälle. Damit bestätigt und verstärkt sich das bereits im CHECK auf Ebene der Bundesländer erkennbare Muster. Bei den Sprachen angrenzender Staaten zeigt sich erwartungsgemäß eine stärkere Konzentration in den jeweiligen Grenzregionen, allerdings auf insgesamt sehr niedrigem Niveau. Für Arabisch, Türkisch und Chinesisch ist dagegen kein eindeutiges räumliches Muster erkennbar. Einzelne regionale Schwerpunkte könnten hier mit lokal bedeutsamen Arbeitgebern oder branchenspezifischen Nachfragestrukturen zusammenhängen.

Quelle: Berechnungen des CHE Centrum für Hochschulentwicklung auf Basis von Daten des Jobmonitors

Sprachanforderungen nach Studienbereich und Bundesland

Die interaktive Grafik ermöglicht Hochschulen, Studierenden und Studieninteressierten, einzuschätzen, welche Bedeutung Sprachkenntnisse in einzelnen Studienfächern und Studienbereichen haben. Hochschulen erhalten damit Anhaltspunkte für passgenaue Sprachförderangebote und die sprachliche Ausgestaltung von Lehrveranstaltungen. Studierende können erkennen, in welchen Studienbereichen Fremdsprachen besonders relevant sind. Dies betrifft internationale Studierende beim Erwerb von Deutsch als Fremdsprache ebenso wie Studierende mit deutscher Hochschulzugangsberechtigung beim Erwerb weiterer Fremdsprachen, insbesondere Englisch.

Die Darstellung umfasst eine Balkengrafik und eine tabellarische Übersicht. Ausgewiesen wird jeweils der Anteil der Stellenanzeigen, in denen eine bestimmte Sprache genannt wird, bezogen auf alle Anzeigen des jeweiligen Studienbereichs. Zusätzlich wird der Anteil der Stellenanzeigen dargestellt, in denen überhaupt mindestens eine Sprachkenntnis gefordert wird. Einzelne Studienbereiche können gezielt ausgewählt und nach Bundesländern differenziert werden. Zudem ist die Zahl der Stellenanzeigen angegeben, auf der die jeweiligen Anteilswerte beruhen.

Bei der Interpretation ist zu beachten, dass Stellenanzeigen teils konkrete Studienfächer wie Betriebswirtschaftslehre, teils nur übergeordnete Studienbereiche wie Wirtschaftswissenschaften nennen. Um Doppelzählungen zu vermeiden, erfolgte die Zuordnung jeweils ausschließlich anhand der präzisesten Angabe. Die Abgrenzung zwischen den Studienbereichen ist daher nicht vollständig trennscharf und Vergleiche der absoluten Zahl der Stellenanzeigen zwischen einzelnen Studienbereichen sind nur eingeschränkt aussagekräftig. Zu berücksichtigen sind außerdem mögliche implizite Sprachanforderungen, die je nach Studienbereich unterschiedlich stark ins Gewicht fallen können (siehe Abschnitt „Datenbasis“).

Quelle: Berechnungen des CHE Centrum für Hochschulentwicklung auf Basis von Daten des Jobmonitors

Sprachanforderungen nach Berufsgruppen

Quelle: Berechnungen des CHE Centrum für Hochschulentwicklung auf Basis von Daten des Jobmonitors

In dieser Abbildung können anstelle von Studienbereichen einzelne Berufsgruppen ausgewählt werden, um die dort genannten Sprachanforderungen in Stellenanzeigen zu betrachten. Ausgewiesen wird jeweils der Anteil aller Stellenanzeigen einer Berufsgruppe, in denen eine bestimmte Sprache ausdrücklich genannt wird. Zusätzlich ist erkennbar, wie häufig überhaupt mindestens eine Sprache auftaucht.

Die Einteilung basiert auf der Klassifikation der Berufe (KldB 2010 in der überarbeiteten Fassung von 2020) und ist aus Gründen der Übersichtlichkeit sowie zur Sicherung ausreichender Fallzahlen auf die Ebene der Berufsgruppen (KldB-Dreisteller) beschränkt. Auf eine zusätzliche Differenzierung nach Bundesländern wird verzichtet, da die Stellenanzeigen – wie erläutert – keine vollständige Abbildung der berufsspezifischen Arbeitsnachfrage ermöglichen. Die Daten dienen daher nicht einer detaillierten Arbeitsmarktanalyse, sondern sollen zeigen, in welchen Berufsgruppen Sprachkenntnisse für Akademiker*innen eine besonders große oder eher geringe Rolle spielen.

Dies ist vor allem für Studierende hilfreich, die nach dem Abschluss in Deutschland arbeiten möchten. Sie können frühzeitig einschätzen, wie häufig Sprachkenntnisse in bestimmten Berufsgruppen gefordert werden und ob dabei vor allem Deutsch, Englisch oder vereinzelt weitere Fremdsprachen relevant sind.

Fazit

Die Zahlen machen deutlich, dass Sprachkenntnisse für Hochschulabsolvent*innen auf dem deutschen Arbeitsmarkt eine relevante, zugleich aber je nach Region, Studienbereich und Berufsgruppe unterschiedlich ausgeprägte Rolle spielen. Besonders Deutsch und Englisch sind von zentraler Bedeutung, während weitere Sprachen eher punktuell in spezifischen regionalen oder beruflichen Kontexten gefragt sind. Für Hochschulen ergeben sich daraus Anhaltspunkte, Sprachförderung gezielt an den Anforderungen des Arbeitsmarkts auszurichten. Studierende wiederum können die Ergebnisse nutzen, um den Stellenwert von Sprachkenntnissen für den eigenen Berufseinstieg besser einzuschätzen. Zu berücksichtigen ist, dass die Auswertung nur ausdrücklich in Stellenanzeigen genannte Sprachanforderungen erfasst und die tatsächliche Bedeutung daher teilweise noch höher liegen kann.

CHECK Sprachanforderungen in Jobprofilen – Auswertung von Stellenanzeigen für Hochschulabsolvent*innen in Deutschland

Eine weiterführende Analyse der Daten zu Sprachanforderungen in Jobprofilen für Hochschulabsolvent*innen ist im „CHECK Sprachanforderungen in Jobprofilen – Auswertung von Stellenanzeigen für Hochschulabsolvent*innen in Deutschland“ zu finden.

Dort finden sich Längsschnittanalysen, weitere Fremdsprachen, Einordnungen und Empfehlungen.

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