Zusammenfassung: Der DatenCHECK präsentiert zum zweiten Mal nach 2023 eine Analyse der Ressortzuschnitte von Vizepräsidien und Prorektoraten. Betrachtet werden ausschließlich staatliche Hochschulen für angewandte Wissenschaften und Universitäten in Deutschland. Insgesamt liegen die Ergebnisse von 194 Einrichtungen vor. Die Auswertung zeigt, wie viele Themen einzelne Leitungsmitglieder verantworten, welche Ressorts besonders häufig sind und welche Unterschiede sich nach Hochschultyp, Geschlecht und Bundesland ergeben. Im Regelfall verantworten die Vizepräsident*innen oder Prorektor*innen zwei Bereiche. Besonders häufig kommt dabei die Kombination Studium und Lehre oder Forschung und Transfer vor. Der Frauenanteil bei den Vizepräsidien bzw. Prorektoraten deutscher Universitäten und Fachhochschulen liegt im Januar 2026 bei 44 Prozent (Universitäten 48 %, HAW 39 %). Es gibt auch Geschlechterunterschiede in der Besetzung der Ressorts, die die Autorin in einem Interview mit dem Deutschlandfunk erläutert.
Zunächst wird ein Überblick gegeben, wie Hochschulleitungen operativ gestaltet sind. Der Einstieg über die Ressorts der Vizepräsidien und Prorektorate zeigt, wie viele Themen einzelne Personen gleichzeitig verantworten und welche Aufgaben besonders häufig gebündelt werden oder auch, welche Themen besonders häufig in den Präsidien und Rektoraten vertreten werden. Damit wird greifbar, wo Schwerpunkte gesetzt werden, wo sich klassische Zuständigkeiten stabil halten und wo neue Themenfelder in der Leitung an Bedeutung gewinnen. Unterschiede zwischen Hochschulen für angewandte Wissenschaften und Universitäten werden ebenso sichtbar wie Gemeinsamkeiten.
Die Grafik zeigt, für wie viele Themen ein/e einzelne/r Vizepräsident*in oder Prorektor*in zuständig ist.
Der häufigste Fall ist klar die Zuständigkeit für zwei Bereiche. Hier liegen HAW und Uni nahezu gleichauf, mit je etwa der Hälfte aller Vizepräsidentinnen, Vizepräsidenten und Prorektorinnen, Prorektoren.
Gleichzeitig fällt auf, dass Universitäten häufiger eine engere Zuschnittslogik haben, also nur einen Bereich pro Person. Dieser Anteil ist an Unis deutlich höher als an HAW.
Umgekehrt sind an HAW breitere Portfolios etwas verbreiteter: Drei Bereiche pro Person kommen dort häufiger vor als an Universitäten. Noch größere Zuschnitte bleiben insgesamt selten.
Insgesamt lässt sich daraus lesen: Das Grundmuster ist bei beiden Hochschultypen ähnlich, aber HAW verteilen Verantwortlichkeiten im Durchschnitt etwas breiter, während Universitäten häufiger stärker spezialisierte Zuständigkeiten vorsehen.
Sind Vizepräsidien oder Prorektorate nur für ein einziges Themenfeld zuständig, steht in beiden Hochschultypen Forschung am häufigsten im Mittelpunkt. An Universitäten jedoch deutlich stärker als an HAW.
Lehre ist in beiden Gruppen ähnlich oft als alleiniger Zuschnitt vertreten.
Deutliche Unterschiede zeigen sich bei Internationales und Digitalisierung: Internationales wird an Universitäten häufiger als Einzelressort geführt, während Digitalisierung deutlich öfter an HAW als alleinige Zuständigkeit auftaucht. Als alleiniges Ressort liegt Digitalisierung dort sogar gleichauf mit Forschung.
Auch Bildung wird als Einzelressort eher an HAW gesehen als an Universitäten.
Ein studentisches Vizepräsidium erscheint insgesamt selten, an Universitäten aber häufiger als an HAW.
In beiden Hochschultypen dominiert Studium und Lehre als häufigste Kombination. Deutlich unterschiedlich fällt das zweite große Feld aus: Forschung und Transfer ist vor allem eine HAW-Kombination mit 28 gegenüber 11 Nennungen. Umgekehrt bündeln Universitäten Forschung deutlich häufiger mit akademischer Karriere beziehungsweise wissenschaftlichem Nachwuchs, hier stehen 16 Nennungen an Universitäten nur zwei an HAW gegenüber.
Weitere Kombinationen rund um Lehre und Studium sowie Weiterbildung kommen insgesamt deutlich seltener vor. Auch Internationales und Diversität ist insgesamt eine seltene Kombination.
HAW und Universitäten ähneln sich grundsätzlich: Forschung und Studium gehören in beiden Fällen zu den am häufigsten zuerst genannten Ressorts.
Lehre spielt ebenfalls bei beiden Hochschultypen eine wichtige Rolle und liegt insgesamt relativ nah beieinander.
Universitäten setzen jedoch als erstes Ressort deutlich häufiger auf Internationales und auch Transfer taucht dort eher an erster Stelle auf.
Bei HAW erscheinen dagegen Bildung und Nachhaltigkeit häufiger als erster Schwerpunkt. Digitalisierung fällt bei beiden Hochschultypen gleich häufig ins Gewicht.
Forschung, Lehre und Studium sind in beiden Hochschultypen klar die häufigsten Ressorts. Gleichzeitig werden unterschiedliche Profile sichtbar:
An HAW sind Transfer, Digitalisierung und auch Weiterbildung deutlich präsenter, was gut zur stärker anwendungsnahen und regional orientierten Rolle passt.
Universitäten setzen dagegen häufiger Schwerpunkte bei akademischer Karriere beziehungsweise wissenschaftlichem Nachwuchs sowie bei Diversität und etwas stärker bei Internationalem, also bei Themen, die eng mit wissenschaftlichen Laufbahnen, Strukturentwicklung und internationalen Wissenschaftsbeziehungen verbunden sind.
Nachhaltigkeit liegt in beiden Gruppen auf ähnlichem Niveau, Innovation bleibt insgesamt eher nachgeordnet.
Ressortzuschnitt von Vizepräsidien und Prorektoraten: Eine Frage des Geschlechts?
Im nächsten Schritt richtet sich der Blick auf mögliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern in der Verteilung der Ressorts der Vizepräsidien und Prorektorate. Im Fokus steht, ob sich bestimmte Themenfelder eher bei Frauen oder eher bei Männern in der Hochschulleitung häufen.
Die erste Grafik zeigt eine insgesamt männlich dominierte Geschlechterverteilung. Insgesamt sind 322 Männer und 262 Frauen erfasst. Dabei unterscheiden sich die Hochschultypen deutlich: An HAW sind 171 Männer und 111 Frauen vertreten, während an Universitäten 161 Männer und 151 Frauen gezählt werden. Der Frauenanteil bei den Vizepräsidien bzw. Prorektoraten liegt insgesamt bei 44 Prozent, an den Universitäten sogar bei 48 Prozent.
Ergänzend ist zu erwähnen, dass es zehn HAW und vier Universitäten gibt, an denen ausschließlich Frauen als Vizepräsidentin oder Prorektorin tätig sind. Umgekehrt gibt es 27 HAW und neun Universitäten, an denen ausschließlich Männer als Vizepräsident oder Prorektor gewählt wurden.
Ein Blick in die jeweiligen Top 10 Ressorts, die Frauen bzw. von Männer besetzen, zeigt durchaus Unterschiede. So sind beispielsweise 10 Prozent der weiblichen Vizepräsidentinnen bzw. Prorektorinnen für Internationales zuständig, aber nur 6 Prozent der männlichen. Männer finden sich besonders häufig in der Zuständigkeit für Forschung.
Werden die Geschlechteranteile in den 10 Ressorts betrachtet, die am häufigsten vorkommen, zeigen sich noch einmal deutliche Unterschiede, sowohl zwischen den Geschlechtern als auch zwischen den Ressorts. Ausgeglichen ist lediglich die Besetzung des Ressorts Nachhaltigkeit. Die deutlichsten Unterschiede sind in Digitalisierung – stark männlich dominiert – und Diversität – mit deutlicher weiblicher Prägung.
Ein Blick in die Bundesländer
Unterschiede in der Besetzung der Vizepräsidien und Vizerektorate an Universitäten und HAW in Deutschland finden sich nicht nur zwischen den Geschlechtern, sondern auch zwischen den 16 Bundesländern.
Die Grafik zeigt die Frauenanteile in den Vizepräsidien und Vizerektoraten nach Bundesländern und Hochschultypen.
Am Auffälligsten ist die Spanne: Bei den HAW reicht die Bandbreite von sehr niedrigen Anteilen bis hin zu sehr hohen, während die Universitäten insgesamt häufiger im mittleren bis höheren Bereich liegen.
Extremwerte gibt es auf beiden Seiten: Bei den HAW sticht Baden Württemberg als besonders niedrig hervor, bei den Universitäten fällt das Saarland mit einem sehr niedrigen Wert auf.
Berlin und Bremen fallen mit sehr hohen Frauenanteilen bei den HAWs auf, Sachsen-Anhalt und erneute Bremen mit hohen Anteilen unter den Universitäten.
Insgesamt zeigt der Bundesländervergleich, dass Geschlechterverhältnisse in der Hochschulleitung nicht nur eine Frage des Hochschultyps sind, sondern stark vom regionalen Kontext und den jeweiligen Leitungsstrukturen vor Ort geprägt werden.
Ausgewählte Ressorts im Bundesländervergleich
Zwischen den Bundesländern gibt es verschiedene Ressorts, die nicht flächendeckend eingerichtet und abgedeckt werden. Drei Schwerpunkte sollen daher genauer betrachtet werden: Transfer (inkl. Technologietransfer und Wissenstransfer), Digitalisierung (inkl. digitaler Transformation) und Nachhaltigkeit (bzw. nachhaltige Entwicklung).
Transfer
Der Bereich Transfer soll beispielhaft genauer betrachtet werden, um Veränderungen zwischen den Betrachtungszeiträumen 2023 und 2026 darzustellen. In 2023 waren an 65,7 Prozent der staatlichen Hochschulen für angewandte Wissenschaften Vizepräsidien oder Prorektorate für Transfer, Wissenstransfer oder Technologietransfer zuständig, eine weitere HAW unterhielt das Ressort Third Mission. Dieser Anteil stieg 2026 auf 69,2 Prozent an, bzw. 71 Prozent, wenn die nunmehr zwei weitere Einrichtungen hinzugenommen, die Third Mission als Ressortbereich aufführen.
An den Universitäten entwickelte sich der Anteil 44 Prozent leicht auf 49,4 Prozent. Diese Entwicklung bedeutet nicht per se einen Bedeutungszuwachs. 2026 kamen elf HAW mit Transfer hinzu, allerdings entfiel das Ressort auch an sechs Hochschulen, die es 2023 noch aufführten. An den Universitäten kamen zehn Einrichtungen hinzu, an fünf Universitäten wurde das Ressort jedoch nicht weitergeführt.
Transfer wird oft mit anderen Themen verbunden. An den HAW besonders oft mit Forschung, was in zwölf Prozent der Ressortzuschnitte der Fall ist. Kombinationen aus Forschung, Transfer und Internationales, sowie Transfer und Entrepreneurship finden sich ebenfalls häufig. Bisweilen finden sich jedoch auch Kombinationen, die in keinem inhaltlichen Zusammenhang stehen, z.B. Forschung, Transfer, Internationales, Gleichstellung und Diversität oder Forschung, Transfer und bauliche Entwicklung. An den Universitäten werden Forschung und Transfer nur in vier Prozent der Fälle kombiniert. Insgesamt kann festgehalten werden, dass andere strategische Themen, wie beispielsweise akademische Karrieren oder akademischer Nachwuchs, an den Universitäten häufiger auftreten.
Die Gegenüberstellung zeigt, dass ein Transferressort in vielen Ländern vor allem an HAW fest verankert ist, während Universitäten deutlich uneinheitlicher sind. In den meisten Bundesländern liegt der Anteil an HAW mit Transferzuständigkeit klar über dem der Universitäten, was auf eine stärkere strukturelle Verankerung von Transfer hindeutet. Gleichzeitig gibt es einzelne Länder, in denen Universitäten beim Transferressort vorn liegen oder es sogar flächendeckend vorkommt: so in Mecklenburg Vorpommern, Sachsen und Schleswig-Holstein. Insgesamt wird sichtbar, dass Transfer als Leitungsaufgabe zwar breit etabliert ist, die institutionelle Absicherung aber je nach Bundesland und Hochschultyp sehr unterschiedlich ausfällt.
Digitalisierung
Die Übersicht zeigt, dass ein eigenes Ressort für Digitalisierung oder digitale Transformation deutlich weniger verbreitet ist als Transfer und stark zwischen den Bundesländern variiert.
Besonders sichtbar ist die Konzentration in wenigen Ländern: Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen weisen die höchste Verankerung auf, gefolgt von Bayern und Schleswig-Holstein, während Niedersachsen und Brandenburg im Mittelfeld liegen.
In mehreren Ländern spielt Digitalisierung als eigenes Ressort dagegen kaum eine Rolle oder ist gar nicht als separate Zuständigkeit ausgewiesen. Das betrifft Hamburg, Mecklenburg Vorpommern, Saarland und Thüringen mit null sowie Länder wie Bremen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Sachsen Anhalt, wo Digitalisierung nur vereinzelt vorkommt.
Insgesamt deutet das darauf hin, dass Digitalisierung in vielen Hochschulleitungen eher als Querschnittsthema mitläuft und nur in bestimmten Ländern konsequent als eigenständiges Ressort institutionalisiert wird.
Nachhaltigkeit
Die Übersicht zeigt, dass Nachhaltigkeit oder nachhaltige Entwicklung als eigenes Ressort noch nicht flächendeckend in den Hochschulleitungen verankert ist, aber in einzelnen Ländern deutlich stärker institutionalisiert wurde.
Besonders heraus sticht Nordrhein-Westfalen, wo Nachhaltigkeit vergleichsweise häufig als eigenständige Zuständigkeit auftaucht. Aber auch hier muss bedacht werden, dass gerade einmal 39% der Hochschulen insgesamt Nachhaltigkeit fest in einem Ressort auf Rektorats bzw. Präsidiumsebene verankert haben.
Auch Baden-Württemberg und Bayern haben das Thema sichtbar in der Leitungsstruktur verankert, liegen aber klar hinter Nordrhein-Westfalen. In vielen anderen Ländern ist Nachhaltigkeit deutlich seltener als eigenes Ressort zu finden und erscheint eher vereinzelt.
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