

Nachhaltige Entwicklung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Hochschulen nehmen dabei eine zentrale Rolle ein und können auf vielfältige Weise zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele beitragen. Der Beitrag untersucht, zu welchen Sustainable Development Goals (SDGs) Professor*innen deutscher Hochschulen einen Beitrag in ihren Lehr-, Forschungs- und Transferaktivitäten leisten und ob sich die Fachdisziplinen hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeitsprofile und Schwerpunktsetzungen unterscheiden.
Befragt wurden Professor*innen aus 31 Fächern. In allen untersuchten Fächern berichten Professor*innen über Bezüge ihrer Tätigkeit zu nachhaltiger Entwicklung, jedoch mit unterschiedlichen Schwerpunkten. So zeigen sich etwa besonders häufige Beiträge gesundheitsbezogener Fächer zu SDG 3 – Gesundheit und Wohlergehen, ingenieurwissenschaftlicher Fächer zu SDG 9 – Industrie, Innovation und Infrastruktur oder geowissenschaftlich-planerischer Fächer zu SDG 13 – Maßnahmen zum Klimaschutz.
Für die Fächer ergeben sich somit unterschiedliche Nachhaltigkeitsprofile, die neben zentralen Schwerpunktthemen immer auch weitere, weniger häufig bearbeitete Nachhaltigkeitsziele beinhalten.
Hochschulen können und sollten einen substanziellen Beitrag zur Erreichung der UN-Nachhaltigkeitsziele leisten – und tun dies auch, wie wir im hier vorliegenden DatenCHECK aufzeigen möchten. Wie bereits im DatenCHECK Strukturelle Verankerung von Nachhaltigkeit an deutschen Hochschulen dargestellt, können Hochschulen auf vier verschiedenen Ebenen zu Nachhaltigkeit beitragen:
- Kernbetrieb: zum Beispiel Bau energieeffizienter Gebäude oder Förderung nachhaltiger Mobilität von Mitarbeitenden und Studierenden
- Lehre: Integration von Nachhaltigkeit in die Hochschullehre auf unterschiedlichen Ebenen, etwa curricular durch Pflicht- und Wahlmodule oder ganze Studiengänge mit Nachhaltigkeitsbezug, fachintegriert durch die Einbettung nachhaltigkeitsrelevanter Fragestellungen in die reguläre Fachlehre (z. B. Sustainable Finance in der BWL oder Planetary Health in der Medizin) oder co- bzw. extracurricular etwa durch Zertifikatsprogramme, Ringvorlesungen oder Summer Schools. Dabei orientieren sich viele Hochschulen am Konzept der Bildung für Nachhaltige Entwicklung.
- Forschung: Wissensproduktion zu Ursachen, Folgen und Lösungsansätzen von Nachhaltigkeitsherausforderungen. Diese umfasst sowohl Grundlagen- und anwendungsorientierte Forschung in Themenfeldern der SDGs – etwa zu Technologien der Wasseraufbereitung, klimafreundlichen Energiesystemen oder nachhaltigen Produktionsverfahren – als auch transformative Forschung (z. B. „Was sind Gelingensbedingungen für sozial-ökologischen Wandel?“).
- Transfer aus der Wissenschaft: Überführung wissenschaftlicher Erkenntnisse in gesellschaftliche Praxis durch die Entwicklung, Erprobung und Verbreitung sozialer, technischer und sozio-technischer Innovationen zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele. Dies geschieht beispielsweise in Kooperationen mit Unternehmen, Kommunen, Politik und Zivilgesellschaft etwa durch Reallabore, Gründungen, wissenschaftliche Politikberatung oder Citizen-Science-Projekte.
Während im DatenCHECK zur strukturellen Verankerung von Nachhaltigkeit auf den Kernbetrieb fokussiert wurde, geht es in diesem Beitrag um die drei anderen Bereiche Lehre, Forschung und Transfer. Die Forschungsfrage lautete: Zu welchen SDGs leisten Professor*innen deutscher Hochschulen einen Beitrag in ihren Lehr-, Forschungs- und Transferaktivitäten? Und wie unterscheiden sich die Fachdisziplinen hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeitsprofile und Schwerpunktsetzungen?
17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der UN
Das weltweit prominenteste Konzept von Nachhaltigkeit sind die von den Vereinten Nationen verabschiedeten 17 Sustainable Development Goals (SDGs) als globale Ziele nachhaltiger Entwicklung. Dabei wird Nachhaltigkeit nicht allein auf Umwelt- und Ressourcenschutz reduziert, sondern umfasst zugleich soziale, ökonomische und gesellschaftliche Dimensionen menschlicher Lebensbedingungen – etwa die Bekämpfung von Armut, den Zugang zu Bildung oder die Förderung von Frieden und Gerechtigkeit –, die bis zum Jahr 2030 weltweit erreicht werden sollen.
Diese Fragen wurden in einer Studie des CHE Centrum für Hochschulentwicklung beleuchtet, die im Rahmen der CHE Hochschulrankings 2023, 2024 und 2025 durchgeführt wurde. Das Ziel dieser Untersuchung bestand darin, bundesweit für verschiedene Fächer systematisch zu untersuchen, inwieweit SDGs von Professor*innen im Rahmen ihrer Lehr-, Forschungs- und Transferaktivitäten adressiert werden. Mit Abschluss der letzten Erhebungswelle im Rahmen des CHE Hochschulrankings 2025 liegt nun erstmals eine Übersicht über 31 Fächer und Fächergruppen an deutschen Hochschulen vor.
Methodik
Erhebungen: In einer Online-Befragung wurden in einer ersten Erhebungswelle (Dezember 2022 bis Januar 2023) 3.615 Professor*innen der rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fächer inklusive Soziale Arbeit an deutschen Universitäten, Hochschulen für angewandte Wissenschaften und dualen Hochschulen befragt. In einer zweiten Erhebungswelle (Dezember 2023 bis Januar 2024) fand eine Befragung von 2.851 Professor*innen der mathematisch-naturwissenschaftlichen und medizinischen Fächer inklusive Pflegewissenschaft, Politikwissenschaft und Sportwissenschaft statt. In einer dritten Erhebungswelle (November 2024 bis Januar 2025) erfolgte eine Befragung von 3.070 Professor*innen der ingenieur- und geisteswissenschaftlichen Fächer inklusive Psychologie, Erziehungswissenschaft, Germanistik und Romanistik.
Das Thema Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung wurde anhand der Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen operationalisiert. Die Professor*innen wurden in einem Online-Fragebogen gefragt: „Leisten Sie im Rahmen Ihrer beruflichen Tätigkeit (Lehre, Forschung oder Transfer) einen substanziellen Beitrag zu einem oder mehreren Sustainable Development Goals (SDGs) der UN? Dann klicken Sie bitte die entsprechenden SDGs an.“ Es wurde definiert, dass als substanzieller Beitrag ein (Lehr-)Forschungsprojekt, Transferaktivitäten oder eine Lehrveranstaltung gilt, in deren Rahmen das Thema intensiv behandelt wird. Die SDGs wurden in Form der bekannten Icons (siehe Abbildung oben) präsentiert und konnten durch Anklicken ausgewählt werden. Die Auswahl wurde auf maximal fünf SDGs begrenzt. Alternativ konnten die Professor*innen „Ich leiste zu keinem SDG einen substanziellen Beitrag“ auswählen.
Stichprobe: Die nebenstehende Tabelle zeigt die Teilnehmer*innen-Zahlen pro Fach (in Klammern ist jeweils der Erhebungszeitraum genannt).
Die Fächergruppe „Maschinenbau, Material-, Werkstoff- und Prozessingenieurwesen“ an Universitäten beinhaltete zusätzlich noch die Fächer Biotechnologie, Chemieingenieurwesen/Angewandte Chemie, Umweltingenieurwesen sowie Verfahrenstechnik. Die Fächergruppe „Angewandte Naturwissenschaften“ beinhaltete zusätzlich die Fächer Biotechnologie, Chemieingenieurwesen/Angewandte Chemie, Energietechnik, Medizintechnik, Physikalische Technik und Umweltingenieurwesen.
Fachübergreifende Schwerpunkte bei Nachhaltigkeitszielen
Im Folgenden wird betrachtet, welche Nachhaltigkeitsziele insgesamt besonders häufig und welche weniger häufig adressiert wurden. Da eine Auswertung nach verschiedenen Hochschultypen größtenteils keine oder maximal kleine Unterschiede ergab, werden die nachfolgenden Ergebnisse aggregiert über alle Hochschultypen dargestellt.
Häufig adressierte Nachhaltigkeitsziele

Das SDG 4 – Hochwertige Bildung wird über alle Fächer hinweg am häufigsten adressiert. Durchschnittlich nennen 47 % der Professor*innen dieses Ziel. Besonders häufig wurde SDG 4 in den Fächern Erziehungswissenschaft (76 %), Romanistik (74 %) und Germanistik (65 %) genannt.
Die hohe fachübergreifende Zustimmung zu SDG 4 ist – insbesondere in den weiteren Fächern – möglicherweise nicht ausschließlich als Beleg für eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Bildungsungleichheit oder globalem Bildungszugang zu interpretieren. Trotz eines entsprechenden Hinweises im Fragebogen zu SDG 4 könnten Professor*innen ihre eigene Lehrtätigkeit grundsätzlich als Beitrag zu hochwertiger Bildung verstanden haben. Insbesondere außerhalb bildungs- und kulturwissenschaftlicher Disziplinen ist daher anzunehmen, dass SDG 4 teilweise eher im Sinne eines allgemeinen Bildungsauftrags der Hochschule interpretiert wurde.

Das SDG 3 – Gesundheit und Wohlergehen wird durchschnittlich von 25 % der Professor*innen genannt und gehört damit ebenfalls zu den häufig adressierten Nachhaltigkeitszielen. Besonders häufig geben Professor*innen gesundheitsorientierter Fächer wie Pflegewissenschaft (92 %), Sport/Sportwissenschaft (71 %), Medizin (64 %), Psychologie (62 %) und Zahnmedizin (61 %) an, zu SDG 3 einen substanziellen Beitrag zu leisten.

Das SDG 5 – Geschlechtergleichheit ist mit durchschnittlich 24 % Nennungen ebenfalls ein häufig adressiertes SDG. Die häufigsten Nennungen finden sich in den Fächern Romanistik (59 %), Germanistik (53 %) und Soziale Arbeit (49 %).

Auch das SDG 9 – Industrie, Innovation und Infrastruktur wird von durchschnittlich 24 % der Professor*innen und damit vergleichsweise häufig genannt. Besonders hohe Zustimmung findet sich in den ingenieurwissenschaftlichen Fächern, etwa in der Fächergruppe Maschinenbau, Material-, Werkstoff- und Prozessingenieurwesen Uni (60 %), im Fach Mechatronik (54 %) oder in der Fächergruppe Maschinenbau, Materialwissenschaft, Werkstofftechnik HAW/FH (52 %) .

Außerdem finden sich für das SDG 13 – Maßnahmen zum Klimaschutz durchschnittlich häufige Nennungen (24 %). Am häufigsten wird das SDG 13 in den Fächern Architektur (57 %), Geowissenschaften (57 %), Geographie (52 %) und Bau- und Umweltingenieurwesen (52 %) angegeben.
SDG 17 – Partnerschaften zur Erreichung der Ziele dient als das entscheidende Fundament, um alle anderen 16 Ziele der Agenda 2030 überhaupt erst umsetzen zu können. Das Ziel betont, dass globale Herausforderungen nur durch gemeinsame Anstrengungen von Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft bewältigt werden können. SDG 17 wird in einigen Fächern bereits von einem bedeutsamen Anteil an Professor*innen adressiert. Es wird am häufigsten in den Fächern Romanistik (24 %), Architektur (16 %), Soziale Arbeit (15 %) und Erziehungswissenschaft (15 %) bearbeitet.
Seltener adressierte Nachhaltigkeitsziele
Eher selten werden das SDG 6 – Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen sowie das SDG 1 – Keine Armut adressiert (durchschnittlich 5 % bzw. 7 %). Aber auch hier zeigen sich fachspezifische Ausnahmen.
Auch das SDG 15 – Leben an Land wird mit durchschnittlich 5 % insgesamt selten genannt. Hier fallen jedoch die Fächer Geographie (29 %) und Biologie (25 %) positiv auf.
Die SDGs 2 – Kein Hunger und 14 – Leben unter Wasser werden insgesamt am seltensten adressiert (Nennung jeweils nur von durchschnittlich 3 % der Professor*innen aller Fächer). Für das SDG 2 – Kein Hunger heben sich die Fächer Biologie (20 %) und Geographie (18 %) und für das SDG 14 – Leben unter Wasser die Fächer Geowissenschaften (30 %) und Biologie (16 %) deutlich von den übrigen Fächern ab.
Fächerprofile
In den nachfolgenden Abbildungen sind je Fach die fünf von Professor*innen am häufigsten ausgewählten SDGs dargestellt. Über das Drop-Down-Menü können die Grafiken der einzelnen Fächer ausgewählt werden.
SDG 4 nicht für alle Fächer dargestellt
Aufgrund der zuvor genannten Vermutung, dass SDG 4 – Hochwertige Bildung möglicherweise eher im Sinne eines allgemeinen Bildungsauftrags der Hochschule interpretiert wurde als im engeren, normativen Verständnis des SDGs, wurde dieses SDG bei der Auswahl der fünf häufigsten SDGs nicht berücksichtigt.
SDG 4 wurde lediglich in den Fächern Erziehungswissenschaft, Romanistik und Germanistik beibehalten, da in diesen Fächern ein substanzieller fachlicher Bezug zu Fragen von Bildung, Bildungszugang oder Bildungsprozessen angenommen werden kann und sich die Häufigkeit der Nennung im Vergleich noch einmal von anderen Fächern abhebt.
Über die Fächer hinweg zeigt sich, dass nicht nur punktuell einzelne Nachhaltigkeitsziele bearbeitet werden. Vielmehr gibt es in jedem Fach Schwerpunktthemen und zugleich eine Reihe weiterer SDGs, die jeweils nur von einem kleinen Anteil an Professor*innen bearbeitet werden. Dennoch unterscheiden sich die Fächer hinsichtlich der Breite ihrer Schwerpunktthemen. So konzentrieren sich etwa die Angaben in den Fächern Mathematik (insbesondere SDG 5 – Geschlechtergleichheit sowie SDG 9 – Industrie, Innovation und Infrastruktur) und Informatik (insbesondere SDG 9 – Industrie, Innovation und Infrastruktur sowie SDG 3 – Gesundheit und Wohlergehen) vergleichsweise auf wenige Schwerpunktthemen, während sich in vielen Fächern ein breiteres Nachhaltigkeitsprofil erkennen lässt.
Die nachfolgenden Abbildungen visualisieren die Nachhaltigkeitsprofile der einzelnen Fächer.
Die Grafiken sind als Proportional-Area-Chart aufgebaut, in dem die Größe der Icons die Häufigkeit der Nennung durch Professor*innen des jeweiligen Faches wiedergibt (die Größenverhältnisse gelten dabei nur für das jeweilige Fach). Icons werden ab einer Nennungshäufigkeit von 2,3 Prozent angezeigt.
Über das Drop-Down-Menü können die Grafiken der einzelnen Fächer ausgewählt werden. In der Desktop-Ansicht kann der prozentuale Anteil der Nennung der jeweiligen SDGs per Mouseover angezeigt werden.
Die nachfolgenden Abbildungen visualisieren die Nachhaltigkeitsprofile der einzelnen Fächer. Die Grafiken sind als Proportional-Area-Chart aufgebaut, in dem die Größe der Icons die Häufigkeit der Nennung durch Professor*innen des jeweiligen Faches wiedergibt (die Größenverhältnisse gelten dabei nur für das jeweilige Fach). Icons werden ab einer Nennungshäufigkeit von 2,3 Prozent angezeigt.
Über das Drop-Down-Menü können die Grafiken der einzelnen Fächer ausgewählt werden.
Visualisierung: Anna Sappl
Die Analyse zeigt, dass die einzelnen Fächer unterschiedliche Schwerpunkte bei der Bearbeitung von Nachhaltigkeitsthemen setzen und sich damit sehr fachspezifische Nachhaltigkeitsprofile ergeben. Einzelne SDGs werden nur von bestimmten Disziplinen in besonderem Maße adressiert. So wird etwa SDG 1 – Keine Armut besonders häufig im Fach Soziale Arbeit, SDG 6 – Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen im Fach Geowissenschaften und SDG 16 – Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen in den Fächern Politikwissenschaft und Rechtswissenschaft genannt. Darüber hinaus lassen sich auch fachübergreifende Cluster erkennen: Bestimmte Nachhaltigkeitsziele konzentrieren sich nicht nur auf einzelne Fächer, sondern auf ganze Fachgruppen mit ähnlichen professionsbezogenen Ausrichtungen. Dies zeigt sich beispielsweise bei SDG 9 – Industrie, Innovation und Infrastruktur, das vor allem in ingenieurwissenschaftlichen Disziplinen häufig genannt wird. Professor*innen in den gesundheitsbezogenen Fächern wie Medizin, Pflegewissenschaft, Sport/Sportwissenschaft, Medizin oder Psychologie geben hingegen besonders häufig an, einen substanziellen Beitrag zu SDG 3 – Gesundheit und Wohlergehen zu leisten.
Gesamtübersicht: Bearbeitung von Nachhaltigkeitszielen nach Fächern
Die nachfolgende Tabelle zeigt noch einmal als Gesamtüberblick je Fach bzw. Fächergruppe den prozentualen Anteil der Professor*innen, die für die einzelnen SDGs (jeweils dargestellt in ihrer bekannten Nummerierung) angaben, einen substanziellen Beitrag zu leisten. Die Tabelle ist für jedes SDG sortierbar.
Fazit
Fächer übernehmen Verantwortung für „fachlich passende“ Nachhaltigkeitsziele
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die einzelnen Fächer Verantwortung im Kontext nachhaltiger Entwicklung übernehmen. Dabei konzentrieren sich die Beiträge der Professor*innen in Lehre, Forschung und Transfer häufig auf jene Nachhaltigkeitsthemen, die eine besondere fachliche Nähe zu den jeweiligen Disziplinen aufweisen. So adressiert etwa das Fach Architektur in besonderem Maße Fragen nachhaltiger Städte und Gemeinden, das Fach Politikwissenschaft Themen im Bereich Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen, während die Geowissenschaften einen starken Fokus auf Klima- und Umweltfragen legen. Zugleich zeigt sich, dass einzelne Nachhaltigkeitsziele – etwa „Keine Armut“ oder „Kein Hunger“ – fachübergreifend vergleichsweise selten adressiert werden, möglicherweise gerade deshalb, weil sie weniger anschlussfähig an typische Fachinhalte sind. Diese Ergebnisse sind allerdings auch vor dem Hintergrund des untersuchten Fächerspektrums (festgelegt durch die Fächer im CHE Hochschulranking) einzuordnen. Es ist denkbar, dass etwa das Ziel „Kein Hunger“ in einzelnen, hier nicht untersuchten Fächern häufiger bearbeitet wird (z. B. in den Agrarwissenschaften).
Je Fach wird eine Bandbreite an Zielen bearbeitet
Für die Fächer ergeben sich unterschiedliche Nachhaltigkeitsprofile. Es wird deutlich, dass nicht nur punktuell einzelne Nachhaltigkeitsziele bearbeitet werden. Vielmehr kristallisieren sich in jedem Fach Schwerpunktthemen und zugleich eine Reihe weiterer SDGs heraus, die jeweils nur von einem kleineren Anteil an Professor*innen bearbeitet werden. Insbesondere hier ergeben sich auch Nachhaltigkeitsbezüge, die über die erwartbaren Themen hinausgehen.
Weitere Forschungsfragen: Differenzierung zwischen Lehre, Forschung und Transfer, aktuelle Entwicklung
Die hier präsentierten Ergebnisse sollen dazu dienen, einen fächerspezifischen Überblick über die Bearbeitung von Nachhaltigkeitsthemen an deutschen Hochschulen zu geben. Die Nachhaltigkeitsprofile der einzelnen Fächer bieten eine empirische Grundlage, um sowohl hochschulintern als auch hochschulübergreifend innerhalb der Disziplinen einen reflektierten Diskurs über die zukünftige Bearbeitung der Nachhaltigkeitsziele und fachliche Schwerpunktsetzungen anzustoßen. In der vorliegenden Studie wurde nicht unterschieden, ob die genannten Beiträge in Lehre, Forschung oder Transfer erfolgen. Es wäre interessant, in zukünftigen Studien stärker zwischen den verschiedenen Kernaufgaben von Hochschule zu differenzieren. Beim Vergleich der Fächer muss einschränkend bedacht werden, dass die Daten der drei Erhebungswellen aufgrund des Fächerrhythmus des CHE Rankings zeitversetzt über einen Zeitraum von zwei Jahren erhoben wurden. In diesem Zeitraum können angesichts der Dynamik im Bereich Nachhaltigkeit, aber auch aufgrund der Priorisierung weiterer hochschulischer Themen wie Digitalisierung und KI bereits bedeutsame Veränderungen stattgefunden haben.
Ansatzpunkte für interdisziplinäre Zusammenarbeit
Globale, nachhaltigkeitsbezogene Herausforderungen lassen sich nicht innerhalb einzelner Fächer bearbeiten, sondern erfordern interdisziplinäre Zugänge. Die Ergebnisse stimmen dabei durchaus optimistisch: So zeigt sich für verschiedene Nachhaltigkeitsziele, etwa Klimaschutz oder Gesundheit, dass sich bereits verschiedene Fächer mit typischen Fragestellungen und Problemen beschäftigen. Die vorliegende Analyse kann dazu beitragen, fachübergreifende Anknüpfungspunkte im Bereich nachhaltiger Entwicklung sichtbar zu machen. Indem aufgezeigt wird, welche Disziplinen sich mit ähnlichen Nachhaltigkeitsthemen befassen, können potenzielle Kooperations- und Vernetzungsstrukturen zwischen Fächern identifiziert und weiterentwickelt werden.
Auch Transdisziplinarität und Partner notwendig
Hochschulen leisten wichtige Beiträge zu nachhaltiger Entwicklung, ihre volle Wirkung entfaltet sich jedoch erst im Zusammenspiel mit weiteren gesellschaftlichen Akteuren: In ihrem eigenen Kernbetrieb, also z. B. bei der verantwortungsvollen Begrenzung der Nutzung von Ressourcen oder auch bei Sicherstellen von Geschlechtergerechtigkeit haben die Hochschulen durchaus eigene Durchsetzungsmacht. Über Lehre, Forschung und Transfer haben die Hochschulen aber „nur“ die Macht des Wortes bzw. der guten Ideen. Für die Umsetzung der Ideen in technische oder gesellschaftliche Innovationen sind sie auf die Einbindung in entsprechende Innovationsökosysteme angewiesen. Auch transdisziplinäre Forschung (gemeinsam mit außerhochschulischen Partnern) ist ein vielversprechender Weg zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele.
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