Zusammenfassung: Verwaltungsfachhochschulen bilden für den gehobenen Dienst bei Bund und Ländern aus. Die Standorte der, je nach Definition, rund 30 Hochschulen verteilen sich über das gesamte Bundesgebiet, sind aber des Öfteren auch in kleinen, abgeschiedenen Ortschaften zu finden. Ihre Studierenden, die nur 2,1 Prozent aller Studierenden in Deutschland ausmachen sind zur Hälfte weiblich, aber wegen ihres speziellen Ausbildungsauftrags nur selten ohne deutsche Staatsbürgerschaft. Nur ein gutes Viertel der Hochschulen bietet mehr als drei Studiengänge an, ein Drittel der Hochschulen sogar nur einen einzigen. Etwa die Hälfte der Studiengänge führt zu einem Bachelorabschluss, ein Drittel zu einem Diplomabschluss, der außerhalb dieser Hochschulgruppe nur noch selten zu finden ist. Die Struktur des wissenschaftliche Personals an Verwaltungsfachhochschulen unterscheidet sich in Teilen deutlich von der Personalstruktur der übrigen Fachhochschulen / HAW.
Verwaltungsfachhochschulen, auch Fachhochschulen für öffentliche Verwaltung genannt, führen im deutschen Hochschulsystem in mehrerlei Hinsicht ein Leben im Verborgenen: Zum einen, weil sich ihre Studierenden fast ausschließlich aus Mitarbeiter*innen / Beamtenanwärter*innen von Bundes- oder Landesbehörden rekrutieren, die von der Behörde dorthin zur weiteren Ausbildung abgeordnet werden. Zumindest in Hinblick auf das Studium handelt es sich also um „closed shops“ – nicht selten auch an abgelegeneren Orten. Zum anderen finden diese Hochschulen aufgrund ihres Sonderstatus bisher selten Beachtung. Der HRK Hochschulkompass führt die Verwaltungshochschulen und Ihre Studiengänge seit 2021 auf. Gründe genug, diese besondere Gruppe von Hochschulen im Rahmen eines DatenCHECKS einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.
Nach der Definition des Statistisches Bundesamtes zählen zu den Verwaltungsfachhochschulen „diejenigen verwaltungsinternen Fachhochschulen, an denen Nachwuchskräfte für den gehobenen nichttechnischen Dienst des Bundes und der Länder ausgebildet werden„. Daneben existieren weitere behörden-interne Hochschulen, die aber anderen Hochschularten zugeordnet sind und daher hier nicht weiter betrachtet werden: Die Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften in Speyer ist eine von Bund und Ländern getragene Universität, die ebenfalls schwerpunktmäßig für die öffentliche Verwaltung ausbildet. Die Deutsche Hochschule der Polizei in Münster ist ebenfalls eine Universität. Des weiteren gibt es einzelne Fachbereiche an sonst öffentlich zugänglichen (Fach-)Hochschulen, die Studierende für die öffentliche Verwaltung / Polizei ausbilden. Diese werden hier aber ebenfalls nicht betrachtet. Zu nennen sind beispielsweise die HWR Berlin, an der unter anderem für den gehobenen Polizeivollzugsdienst ausgebildet wird. Die Universitäten der Bundeswehr in Hamburg und München, werden vom Bundesministerium für Verteidigung, also einer Bundesbehörde getragen, bilden aber nicht für Tätigkeiten in der öffentlichen Verwaltung aus.
Standorte und Studienangebote der Verwaltungsfachhochschulen
Die Karte zeigt die Standorte der Verwaltungsfachhochschulen in Trägerschaft der Länder (rot) und des Bundes (grau).
Verwaltungsfachhochschulen sind in allen Bundesländern zu finden. In Berlin gibt es die Besonderheit, dass es keine landeseigene Verwaltungsfachhochschule gibt, sondern dass diese in Form von zwei Fachbereichen in die Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) integriert ist.
Es gibt in Berlin allerdings einen Standort der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung. Diese Hochschule in Trägerschaft des Bundes hat ihre Standorte (Fachbereiche) über mehrere Bundesländer verteilt.
Standorte von Verwaltungsfachhochschulen finden sich zwar auch in größeren Städten oder Großstädten, aber oft auch in kleineren Orten, wo es sonst keine anderen Hochschulen gibt: Beispielsweise in Altenholz/Schleswig-Holstein, Güstrow/Mecklenburg-Vorpommern, Rothenburg/Oberlausitz, in Sulzbach-Rosenberg in Bayern, in Büchenbeuren in Rheinland-Pfalz oder in Langen in Hessen. Die Hochschule für Finanzen Nordrhein-Westfalen ist beispielsweise in einem Schloss etwas außerhalb des 5.000 Einwohner*innen zählenden Gemeindeteils Nordkirchen im Münsterland untergebracht.
Pro Standort werden der Standortname, die Zahl der Studierenden am Standort sowie das jeweilige Studienangebot dargestellt. Dabei bedeuten: (B) – Bachelorabschluss; (Mas) – Masterabschluss und (D) – Diplomabschluss.
Anteil der Verwaltungshochschulen an allen Hochschulen bzw. allen Studierenden
Das Statistisches Bundesamt zählt zum Wintersemester 2024/25 insgesamt 30 Verwaltungsfachhochschulen unter den insgesamt 421 deutschen Hochschulen (aller Hochschultypen), was einem Anteil von sieben Prozent aller Hochschulen entspricht. Von den insgesamt rund 2,9 Millionen Studierenden an deutschen Hochschulen entfallen allerdings nur 2,1 Prozent auf die Verwaltungsfachhochschulen, von den Studienanfänger*innen (1. Hochschulsemester) im Wintersemester 2024/25 etwa 2,6 Prozent.
Geschlechterverteilung der Studierenden an Verwaltungsfachhochschulen
Der Anteil weiblicher Studierender an Verwaltungsfachhochschulen liegt bei 51 Prozent. Damit gleich die Geschlechterverteilung der Studierenden an Verwaltungsfachhochschulen derer an Hochschulen in Deutschland insgesamt.
Anteil ausländischer Studierender an Verwaltungsfachhochschulen
Der Anteil ausländischer Studierender an Verwaltungsfachhochschulen (lag zum Wintersemester 2024/25 bei 0,7 Prozent. Anders als bei der Geschlechterverteilung unterscheidet sich der Anteil somit erheblich von Anteil ausländischer Studierender an den Hochschulen in Deutschland insgesamt (17 Prozent).
Hauptgrund für den geringen Anteil ausländischer Studierender an Verwaltungsfachhochschulen sind die Zugangsvoraussetzungen zu den Beamtenverhältnissen, für die dort ausgebildet wird (z.B. Polizei), die oft eine deutsche Staatsbürgerschaft, zumindest aber eine EU-Staatsangehörigkeit voraussetzen. An einigen Hochschulen gibt es aber auch internationale (Master-)Programme.
Studiengänge und Abschlussarten an Verwaltungsfachhochschulen
Verwaltungsfachhochschulen bieten im Regelfall nur wenige Studiengänge an, gut ein Drittel (38 Prozent) nur einen einzigen Studiengang. Nur 28 Prozent der Hochschulen bieten mehr als drei Studiengänge an.
Rund die Hälfte der Studiengänge an Verwaltungsfachhochschulen sind Bachelor-Studiengänge, nur ein kleiner Teil (16 Prozent Master-Studiengänge). Ein Drittel der Studiengänge an diesen Hochschulen schließen mit einem Diplom ab, das bezogen auf die Hochschulen in Deutschland insgesamt nur noch eine sehr kleine Rolle als Abschlussart spielt.
Wissenschaftliches Personal
Die beiden Donut-Diagramme zeigen das haupt- und nebenamtliche Wissenschaftliche Personal (Kopfzahlen) im Jahr 2023 im Vergleich zwischen Verwaltungsfachhochschulen und den übrigen Fachhochschulen / Hochschulen für angewandte Wissenschaften (FH/HAW) sowie der Gesamtheit der Hochschulen aller Hochschultypen (also inkl. Universitäten, Pädagogischen Hochschulen, Theologischen Hochschulen und Kunst-/Musikhochschulen).
Bei den Verwaltungshochschulen fällt der im Vergleich zu den FH/HAW geringere Anteil an Professor*innen (12 % vs. 20 %) und dafür ein deutlich höherer Anteil an Dozent*innen und Assistent*innen (13 % vs. 0,7 %) auf. Wissenschaftliche und künstlerische Mitarbeiter*innen machen an Verwaltungsfachhochschulen einen geringeren Anteil des wissenschaftlichen Personals aus (5%) als an den übrigen FH/HAW (17 %). Lehrkräfte für besondere Aufgaben stellen dagegen an Verwaltungshochschulen einen deutlich höheren Anteil (16 %) als an den anderen FH/HAW. An beiden Hochschultypen stellen die Lehrbeauftragten / Honorarprofessor*innen und Privatdozent*innen die größte Gruppe im wissenschaftlichen Personal. Allerdings muss bedacht werden, dass es sich hier um Kopfzahlen und nicht um Vollzeitäquivalente handelt und dass diese Gruppe nebenberuflich an den Hochschulen beschäftigt ist. Lehrbeauftragten/Honorarprofessor*innen und Privatdozent*innen leistet daher nicht über die Hälfte der Lehre sondern einen kleineren Anteil.
Im Vergleich zu der Gesamtheit aller Hochschulen haben die Verwaltungsfachhochschulen einen gleich hohen Anteil an Professor*innen (jeweils 12 Prozent), besteht insgesamt gesehen das wissenschaftliche Personal zur Hälfte (Kopfzahl) aus wissenschaftlichen und künstlerischen Mitarbeiter*innen, an Verwaltungsfachhochschulen nur zu fünf Prozent.
Liste der Verwaltungsfachhochschulen
Die Liste zeigt alle Verwaltungsfachhochschulen in Trägerschaft des Bundes und der Länder mit ihren Standorten, Studierendenzahlen, Frauenanteilen und den angebotenen Studiengängen. Die Liste kann durchsucht und mit Klick auf die Spaltenköpfe sortiert werden.
Datenauswertungen und Datenvisualisierung: Anna Sappl
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