Zusammenfassung: Der Beitrag untersucht die Anzahl der Promotionen in Deutschland 2022-2024 in den verschiedenen Fächern an Universitäten, basierend auf den Angaben des Statistischen Bundesamtes. Die Gesamtzahl der Promotionen in Deutschland liegt in den letzten 20 Jahren relativ konstant zwischen 24-29 Tausend pro Jahr, während die Zahl der Studienanfänger*innen seit der Jahrtausendwende deutlich gestiegen ist. Die weitaus meisten Promotionen (über 7.000 pro Jahr) finden im Fach Medizin statt, mit deutlichem Abstand gefolgt von den klassischen Naturwissenschaften Biologie (1.964), Chemie (1.923) und Physik (1.602). Relativiert man die Promotionszahlen an der Anzahl der Abschlüsse auf Masterniveau (inkl. Staatsexamen) an Universitäten im selben Fach, so ändert sich die Rangfolge der Fächer etwas. Im Fach Chemie wird nun mit 80 Prozent die höchste Promotionsquote erreicht, vor Medizin und Biologie mit jeweils 71 Prozent. Bei der Interpretation der Quoten muss beachtet werden, dass Master/Staatsexamen-Absolvent*innen auch in angrenzenden Fächern promovieren können.
Das CHE hat sich schon mehrfach mit der Anzahl der Promotionen in den verschiedenen Fächern beschäftigt, zuletzt hier auf Hochschuldaten.de im Rahmen des DatenCHECK 1/2023: Promotionen am häufigsten in Naturwissenschaften und Medizin. Der hier vorliegende DatenCHECK ist eine Neuauflage dieser Publikation mit einem um drei Jahre verschobenen Beobachtungszeitraum, von 2022 bis 2024.
Promotionen stellen den höchsten Studienabschluss in Deutschland dar. Gleichzeitig beinhalten Promotionen auch immer das Verfassen und Veröffentlichen einer ersten eigenständigen wissenschaftlichen Arbeit (bzw. mehrerer Beiträge bei einer kumulativen Promotion). Sie können damit sowohl als Studienabschluss, als Qualifikation für eigenständiges, wissenschaftliches Arbeiten, ggf. sogar für eine Professur, als auch als ein Indikator für eine bestimmte Form von Forschungsaktivitäten im Fach bzw. an der jeweiligen Hochschule verstanden werden. Mittlerweile ermöglichen drei Viertel der Bundesländer auch Promotionen an Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW). Die Ergebnisse der vorhergehenden Datenanalysen zeigten, dass sich die absoluten und (an der Anzahl der universitären Abschlüsse auf Masterniveau) relativierten Häufigkeiten von Promotionen von Fach zu Fach stark unterscheiden. Zunächst aber ein Blick auf die bundesweiten Promotionszahlen in der unten stehenden Grafik.
Promotionen an deutschen Hochschulen im Zeitverlauf
Gegenüber der insbesondere bis 2011 stark gestiegenen Zahl der Studienanfänger*innen (erstes Hochschulsemester) erscheint die Anzahl der jährlichen Promotionen vergleichsweise unverändert. Sie schwankt zwischen etwa 23.000 und 29.000 Promotionsabschlüssen pro Jahr, wobei auch hier ein leichter Anstieg ab 2011 gegenüber den Jahren davor zu verzeichnen ist. Im Jahr 2020 ist eine „Corona-Delle“ erkennbar, im Jahr 2024 lag die Zahl der Promotionsabschlüsse wieder über 28.000. Im Jahr 2016 wurde mit 29.303 Promotionen bisher die größte Anzahl in einem Jahr erreicht.
Dass sich gestiegene Anfänger*innenzahlen nicht in gestiegenen Promotionszahlen niederschlagen, könnte an einem „Deckeneffekt“ liegen – dass also die Anzahl der Promotionsmöglichkeiten, insbesondere deren Finanzierung z.B. durch Stipendien oder Projektstellen nicht im selben Umfang zugenommen haben wie die Zahl der Studienanfänger*innen.
Eine weitere mögliche Erklärung wäre, dass der hier abgebildete Zeitraum noch nicht groß genug ist: Die Studienanfänger*innen des „Peak-Jahres“ 2011 hätten nach einem Studium in Regelstudienzeit (5 Jahre) und einer direkt anschließenden Promotion mit einer durchschnittlichen Länge von 5 Jahren theoretisch im Jahr 2021 fertig sein können. Der Großteil der Studierenden braucht jedoch länger als die Regelstudienzeit bis zum Studienabschluss. Eine aktuelle Auswertung des Statistischen Bundesamtes zeigte eine in den letzten Jahren (bis 2024) gestiegene Anzahl von (noch im Verfahren befindlichen) Promovierenden, die die These bestätigt, dass der Höhepunkt bei den Promotions(abschluss)zahlen erst noch bevorstehen könnte. Auch das Durchschnittsalter der Promovierenden von 31 Jahren lässt nicht auf einen linearen Ausbildungsverlauf mit Abschluss in Regelstudienzeit schließen. Zum Stichtag 1.12.2024 waren rund 212.400 Studierende in einem Promotionsstudiengang eingeschrieben.
Promotionen in Deutschland nach Fächern
Eine Erklärung könnte aber auch sein, dass die zusätzlichen Studienanfänger*innen nicht auf die Fächer entfallen, in denen besonders häufig promoviert wird. Die unten stehende Tabelle zeigt die durchschnittliche Anzahl der Promotionen in den Jahren 2022-2024 nach Fächern. Der Drei-Jahres-Zeitraum wurde gewählt, um die jährlichen Schwankungen etwas zu glätten.
Über die Hälfte der rund 27.500 jährlichen Promotionen im Durchschnitt der Jahre 2022-2024 entfällt schon auf die fünf erstgenannten Fächer in der Tabelle: Medizin, Biologie, Chemie, Physik und Maschinenbau/-wesen. Im häufigsten Promotionsfach Medizin ist die Studienanfängerzahl durch die bundesweite Zulassungsbeschränkung begrenzt, mit der Folge, dass eine nicht unerhebliche Zahl von Personen ein Medizinstudium im Ausland absolviert und ggf. dort auch promoviert.
Der Frauenanteil lag zwar auch 2024 mit 49 % bei knapp der Hälfte aller Promovierenden, wie auch die Zahl der Promovierenden variiert allerdings auch das Geschlechterverhältnis stark nach Fächergruppen. Während laut Statistischem Bundesamt etwa drei Viertel der Promotionsstudierenden in den Ingenieurwissenschaften männlich waren, machen Frauen 67 % der Promovierenden in der Fächergruppe Kunst, Kunstwissenschaft aus. Hierbei ist zu beachten, dass 2024 insgesamt knapp 40.000 Promovierende für die Fächergruppe Ingenieurwissenschaften eingeschrieben waren, während es für die Fächergruppe Kunst, Kunstwissenschaft unter 4.000 waren.
Die Tabelle zeigt lediglich die Fächer, in denen im Durchschnitt der Jahr 2022-2024 mindestens 80 Promotionen und 2014-2017 mindestens 150 Abschlüsse auf Masterniveau erfolgten. In rund 170 weiteren beim Statistischen Bundesamt gelisteten Fächern finden jeweils weniger Promotionen bzw. Masterabschlüsse pro Jahr statt. Die Einschränkung ist notwendig, um statistische Artefakte auszuschließen.
Promotionen im Verhältnis zu Abschlüssen auf Masterniveau
Um die Menge der Promotionen je Fach einordnen zu können, ist eine Relativierung sinnvoll. Diese könnte, wie in der Grafik oben, an der Anzahl der Studienanfänger*innen im Fach stattfinden, geeigneter erscheint jedoch in diesem Fall die Relativierung an der Anzahl der (für eine Promotion qualifizierenden) Abschlüsse auf Masterniveau (Master, Staatsexamen, …). Die Ergebnisse für die Fächer mit mindestens 80 Promotionen und im Durchschnitt der Jahre 2022-2024 sind in der unten stehenden Tabelle zu finden.
Laut dem Bundesbericht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einer frühen Karrierephase 2025 lag 2018 die durchschnittliche Promotionsdauer bei 5 Jahren. Um den zeitlichen Versatz von etwa 5 Jahren nachzubilden und gleichzeitig die Zahlen durch die Betrachtung eines längeren Zeitraums zu glätten, wurde die durchschnittliche Anzahl der Promotionen in den Jahren 2022-2024 ins Verhältnis mit den Abschlüssen auf Masterniveau der Jahre 2017-2019 gesetzt.
Gegenüber der Tabelle mit den absoluten Zahlen ändert sich bei der Relativierung die Reihenfolge der Fächer etwas. Die klassischen Naturwissenschaften Chemie und Biologie führen jedoch gemeinsam mit der Medizin weiterhin die Liste an. Die Promotionszahlen im Fach Maschinenbau / -wesen und Rechtswissenschaft werden beispielsweise jedoch deutlich relativiert.
Bei der Interpretation der Ergebnisse ist zu berücksichtigen, dass es auch Promotionen von Personen mit im Ausland erworbenem Hochschulabschluss gibt und dass auch fachfremd promoviert werden kann (z.B. Mediziner*innen, die einen Dr. rer. nat. erwerben). Außerdem hätte eine (hier nicht erfolgte) Berücksichtigung der Master-Abschlüsse an Hochschulen für angewandte Wissenschaften hier in den entsprechenden Fächern (z.B. Ingenieurwissenschaften, BWL) zu noch niedrigeren Promotionsquoten geführt.
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